paedal
pädal – pädagogik aktuell e.V.
und Lernwerkstatt Kita-Museum

Mainstraße 11, 14612 Falkensee
Fon (049) 03322 - 4293223, Fax (049) 03322 - 4297704, info@paedal.de
Kita-Museum
 

Ausstellung zur
Waldorfpädagogik

Das Kita-Museum vermittelt in einem kleinen Ausstellungsraum einen atmosphärischen Eindruck von der möglichst weitgehend naturbelassenen Lebenswelt der Kinder in einem Waldorfkindergarten. Materialien wie Holz, Puppen und Figuren aus Schafswolle, leichte Stoffe und Früchte der Natur  wie Zapfen, Ähren, Blätter regen die Kinder zum Spiel im Haus und im Freien an.

Der Museumsraum wurde ausgestattet und wird gepflegt von Mitgliedern der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten aus Berlin.

Konzept der Waldorfpädagogik
„Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ (Rudolf Steiner)

Die Waldorfpädagogik wurde von dem österreichischen Philosophen, Pädagogen und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner (1861-1925) begründet. In Wien studierte Steiner Mathematik und Naturwissenschaften, aber auch Philosophie, Literatur und Geschichte. 1891 promovierte er zum Doktor der Philosophie an der Universität Rostock mit einer Arbeit über "Die Grundfrage der Erkenntnistheorie".
Er übernahm 1919 die Leitung der ersten Waldorfschule: der Betriebschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart. Heute gibt es weltweit ungefähr 892 Waldorfschulen, davon 191 in Deutschland.
Daneben findet die Waldorfpädagogik ihre praktische Umsetzung in den heute weltweit mehr als 1500 Waldorfkindergärten - ein Drittel davon in Deutschland. Die meisten Waldorfeinrichtungen befinden sich in freier Trägerschaft. Sie finanzieren sich über staatliche Zuschüsse und Elternbeiträge, die dem Einkommen entsprechend variieren.

Das Menschenbild in der Waldorfpädagogik: Anthroposophie

Das Menschenbild, welches der Waldorfpädagogik zugrunde liegt, ist die spirituelle Weltanschauung der „Menschenkunde“ Rudolf Steiners, die Anthroposophie. Dieses Menschenbild fasst den Menschen als eine Dreiheit bestehend aus Leib, Seele und Geist auf. Hinzu kommt der Glaube an Reinkarnation und Karma.
An diesem ganzheitlichen Ansatz orientiert sich auch die pädagogische Praxis der Waldorfpädagogik. Die Impulse, die von der Anthroposophie ausgehen, umfassen aber nicht nur die Pädagogik, sondern so unterschiedliche Lebensbereiche wie Medizin, Landwirtschaft, Gesellschaft, Bewegungskunst (Eurythmie) und Religion.

Das freie Spiel

Dem freien Spiel kommt ähnlich wie in der Montessori-Pädagogik eine große Rolle zu. Das freie Spiel wird als Grundäußerungsform des Kindes verstanden, indem es sich mit der Welt auseinandersetzt und sich mitteilt. Dabei kommt es darauf an, dass die Spielmaterialien möglichst einfach gehalten sind und das Kind darin vielfältige Verwendungsmöglichkeiten entdecken kann. Denn nur so kann das Spiel schöpferisch und frei sein und dem Kind die Gelegenheit geben, seine Gefühle und Wahrnehmungen zu vermitteln.
Den Erzieher/innen kommt dann die Aufgabe zu, den nötigen (Frei-)Raum für das Spiel zu schaffen und zu gestalten.
An der zentralen Rolle des freien Spiels orientiert sich auch die Gestaltung des Raumes. Er muss dem Kind Anregungen bieten und Freiraum und gleichzeitig aber auch die Geborgenheit geben, damit es sich, aus sich selbst heraus dem freien Spiel hingeben kann.

  • Die Individualität und Persönlichkeit des Kindes offenbart sich am deutlichsten im freien Spiel.
  • Dass das Kind sich frei und absichtslos spielend mit der Welt verbinden kann, verlangt erzieherische Gestaltung der Umgebung des Kindes.
  • Das Kind benötigt eine räumlich-materielle Umgebung, die "in Ordnung" ist und dadurch Sicherheit verleiht.
  • Das Kind benötigt eine materielle Umgebung, die nicht in funktionale Abhängigkeit drängt. Besonders anregend ist deswegen die natürliche Umgebung, da Natur frei von Funktionen ist.
  • Das Kind benötigt einen verlässlichen Rhythmus in seinem Leben, da dieser Sicherheit verleiht und das Kind spontan handeln lässt.
  • Das Kind steht in intimer Beziehung zu den ihm verbundenen Erwachsenen und ist angewiesen auf die Gestaltung eines Freiraums, den diese schaffen und vorbilden. Vorbild und Nachahmung sind die "Zauberworte", die dieses Verhältnis charakterisieren.

Die Gestaltung der Zeit und der Rhythmus der Jahreszeiten

Die Einteilung des Tages-, Wochen- und auch Jahresablaufs folgt in der Waldorfpädagogik einer gewissen Grundordnung. So sollen diese bewusst gestalteten Zeitspannen dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Der wiederkehrende Rhythmus bildet einen tragenden Rahmen als Grundvorrausetzung für das unbeschwerte freie Spiel der Kinder.
Der Ablauf der Woche ist zum Beispiel so gegliedert, dass bestimmten Wochentagen besondere Aktivitäten vorbehalten sind z.B. das Aquarellieren oder das Festlegen des Frühstückspeiseplanes. Das Jahr wiederum findet seinen zeitlichen Rhythmus durch mehrere freudig erwartete Jahresfeste. In den Jahresfesten werden die Jahreszeiten und der Rhythmus der Natur direkt erlebbar. Sie sind in das Leben der Kinder integriert. Begangen werden sie mit bestimmten Märchen, Liedern und Ritualen.

Der Lernbegriff im Waldorfkindergarten: Vorbild und Nachahmung

Die Waldorfpädagogik geht davon aus, dass Kinder in ihren ersten sieben Lebensjahren vor allem durch Nachahmung lernen und begreifen. Nachahmung ist nicht stupides Imitieren, vielmehr geben die mit Sinn erfüllten Tätigkeiten der Erwachsenen den Kindern Anregung für ihr freies Spiel.
Kinder nehmen nicht nur die sichtbaren Handlungen der Erwachsenen auf, sondern verinnerlichen auch vorgelebte zwischenmenschliche Umgangsformen und praktizierte Mitmenschlichkeit. Über diese Erfahrungen prägt sich das spätere moralische und soziale Handeln der Kinder aus.
Der Lernbegriff in der Waldorfpädagogik wird also nicht als zielgerichtetes bewusstes Lernen definiert, sondern als ein ganzheitlicher täglicher, mehr oder weniger unbewusst ablaufender Prozess. Das gesamte Umfeld des Kindes bildet dabei seine Lernumgebung. Das Kind lernt dann am besten, wenn es an sinnvollen Handlungen, Begebenheiten und Erscheinungen des täglichen Lebens teilhaben kann. Auch die normalen und selbstverständlichen Verrichtungen des Tages, wie das Decken des Tisches oder das Aufräumen der Wohnung werden sinnvoll und transparent begangen.

Pädagogische Grundüberzeugungen für das Lernen im Waldorfkindergarten:

  • Der Waldorfkindergarten versteht sich als "unmittelbarer Lernort".
  • Das Kind lernt altersentsprechend, wenn das Leben um es herum Ausdruck von sinnvoller Gestaltung ist, in der Erscheinung und innewohnendes Wesen (z.B. Handlung und Intention des Menschen) identisch sind.
  • Das Kind ist „ganz Sinnesorgan".
  • Heiterkeit und Freude am Leben sind die entscheidenden Motivations- und Lernförderungen.

Die Rolle der Erzieher/innen
„Die Erziehung der Kinder bedingt die Selbsterziehung des Erziehers.“

Dieser Grundsatz der Waldorfpädagogik verlangt von den Erziehenden, ihr eigenes Handeln zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Gelegenheiten dazu stellen im Kindergarten einerseits die selbstbestimmte Analyse eigener Fehler und darüber hinaus die wöchentliche Konferenz aller Erzieher/innen dar. Der Erziehungsprozess umfasst nach der anthroposophischen Lehre zwei gleichberechtigte Partner: das Kind und die erziehenden Erwachsenen.
Den Erziehenden kommt dabei die Aufgabe zu, den Kindern als Vorbild, Gegenüber oder als Autorität zu dienen. Sie sollen dem Kind helfen, seine Individualität zu entdecken, seine Persönlichkeit zu entwickeln und zu entfalten.

Web-Tipps:

 
[nach oben]