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pädal – pädagogik aktuell e.V.
und Lernwerkstatt Kita-Museum

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Kita-Museum
 

"30 Jahre Kinderladenbewegung - Wurzeln - Widerstände - Wirkungen"
eröffnet im Oktober 1998 im Kita-Museum Potsdam

 

Dokumentation der Fachtagung im November 1998:
„Freiheit bis zum Abwinken? - 30 Jahre Kinderladenbewegung – und wie weiter?“

Arbeitspapier erstellt in einem Berliner Kinderladen um 1968
Leitsätze der antiautoritären Erziehung von A.S. Neill

  1. Er glaubt an das Gute im Kind. Er ist überzeugt, daß das Durchschnittskind von Anfang alle Voraussetzungen besitzt, das Leben zu lieben und daran interessiert zu sein.

  2. Das Ziel der Erziehung, ja das Leben besteht nicht in verstandesmäßiger guter Bildung und Anpassung an den herrschenden Lebensstandard, sondern im Glücklichsein. Nach Neill bedeutet Glücklichsein, auf das Leben nicht nur mit Verstand, sondern mit der ganzen Persönlichkeit zu reagieren.

  3. Es ist falsch, an ein Kind dieselben Maßstäbe anzulegen wie an einen Erwachsenen und von ihm etwas zu erwarten, was es doch nur heucheln könnte.

 
 
  1. Erzwungene Disziplin erregt ebenso wie Bestrafung Angst, und Angst erzeugt Feindseligkeit. Intensive Züchtigung des Kindes ist schädlich und beeinflußt die gesunde seelische Entwicklung.


  2. Freiheit ist nicht Zügellosigkeit. Dieser Grundsatz besagt, daß beide Seiten Achtung vor dem anderen Menschen haben müssen. Der Lehrer wendet gegen den Schüler keinen Zwang an, der Schüler darf aber auch gegen den Lehrer keinen Zwang ausüben. Ein Kind hat nicht das Recht, einem Erwachsenen lästig zu fallen oder ihn unter Druck zu setzen, nur weil es ein Kind ist.


  3. In engem Zusammenhang hiermit steht die Forderung nach kompromißloser Aufrichtigkeit des Lehrers bzw. der Eltern.


  4. Das Kind muß eines Tages die ursprüngliche Bindung an die Eltern aufgeben und völlig selbständig werden. Es muß lernen, Sicherheit nicht durch Anlehnung an andere Menschen zu finden, sondern durch seine Fähigkeit, die Welt geistig, emotional und künstlerisch zu erfassen. Es darf seine Sicherheit nicht in Unterwerfung oder Beherrschung suchen.


  5. Schuldgefühle haben die Funktion, das Kind an die Autorität zu binden. Sie behindern die Entwicklung zur Selbständigkeit. Die Schuldgefühle der meisten Menschen in unserer Gesellschaft resultieren weniger aus dem Gewissen, als aus dem Gefühl des Ungehorsams gegen die Autorität und der Angst vor Strafe.


  6. Antiautoritäre Erziehung mindert Aggressionen bei Kindern. Ein in Freiheit erzogenes Kind wird seinen Haß auf Umwelt und Erzieher nicht an schwächeren Mitmenschen abreagieren, weil es diesen Haß nicht kennt.
 
 
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