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pädal – pädagogik aktuell e.V.
und Lernwerkstatt Kita-Museum

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Kita-Museum
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Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit
in Kindereinrichtungen der DDR

Logo Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit in Kindereinrichtungen der DDR
   
 

Unterrichtsskizze 1
auf der Basis der Materialiensammlung

 

„Die Beschäftigungen“ –
der Ansatz des Befähigens im DDR-Kindergarten

Benötigte Materialien
>          Große Papierplakate
>          Kärtchen oder entsprechend klein geschnittenes Schmierpapier
>          Dicke Moderationsstifte zum Beschriften der Kärtchen in Kleingruppen, also wenigstens 10 bis 20 Stifte
>          Nadeln zum Anpinnen
>          Infomaterialien aus dem Dokumentationskoffer
            Fotos – Zitate – Texte – didaktische Materialien – Arbeitsfragen


Einstieg


Die Studierenden betrachten Fotos (bzw. Kopien der Fotos) von Unterrichtssituationen im Kindergarten – (z.B. Fotos Nr. 39, 40, 68, 69, 70). Sie werden aufgefordert, ihre Assoziationen dazu zu nennen:
>          Assoziationen (im Sinne eines Brainstormings: jede Aussage gilt und wird schriftlich   festgehalten)
            Was lösen die Bilder bei uns aus? Gefühle, Erinnerungen, Ängste, Wünsche,
            Meinungen, Bewertungen (ohne Begründungen)

Variante A
Per Zuruf aus der Gruppe – Stichwortnotizen an Pinnwand oder Flippchart > unbedingt auf Papier schreiben, damit die Sammlung für die Abschlusssequenz erhalten bleibt.

Variante B
Zweier- oder Dreiergruppen > Assoziationen auf Moderationskärtchen oder Schmierblätter schreiben. Diese werden nach ca. 10 Min. Gruppenarbeit an Pinnwände angepinnt und geclustert, d.h. ähnliche Aussagen werden zusammen gehängt und erhalten einen Oberbegriff. Mit den Oberbegriffen wird dann weitergearbeitet.

Ergebnis des Einstiegs ist ein Großplakat mit Spontanaussagen. Es wird später zum Vergleich mit den noch ausstehenden Arbeitsergebnissen herangezogen werden.


Arbeitsphase 1: Erarbeitung

Ziel
> Erarbeitung von Informationen, Grundlagenkenntnissen über Ziele, Formen und Begründungen der    „Beschäftigungen“ in der DDR-Kinderbetreuung

Kleingruppen-Auftrag (je 3 bis 5 Personen) Arbeitsergebnisse schriftlich fixieren.
(Die Ergebnisse werden sich teilweise überschneiden, vor allem aber gegenseitig ergänzen.)

Arbeitsthemen für die Kleingruppen (in Anlehnung an die Oberbegriffe auf dem Assoziationsplakat – plus ergänzende Aspekte, die zum Durchdringen der Thematik erforderlich sind):

>    Wurzeln/Theorien, die dem Ansatz der Beschäftigungen in Krippe und Kindergarten der DDR zugrunde       lagen. > Das sozialistische Bild vom Kind.
>    Ziele, die mit den Beschäftigungen verbunden waren. > Merkmale der „sozialistischen Moral“ und des       „sozialistischen Charakters“. (Ihre Meinung dazu?)
>    Planmäßige Themen und Inhalte der Beschäftigungen in Krippe und Kindergarten
>    Formen, Methoden, Arbeitsweisen > Programmatische Vorgaben (Bildungs- und Erziehungspläne),       Aussagen von Bildern und Berichten aus der DDR
>    Erwartungen an die Erzieherinnen und ihre Verpflichtungen bezogen auf die Durchführung von       Beschäftigungen
>    Formen und Wege der Kontrolle
>    Erzieherinnen-Erinnerungen – Aus Gesprächen und Interviews im Rückblick


Arbeitsphase 2: Präsentation und Diskussion

Ziel
> Basis, Zusammenhänge und Begründungen der Beschäftigung als eine der pädagogischen    Grundlagen der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit verstehen!

Kleingruppen stellen ihre Arbeitsergebnisse vor. (Bitte nur Fakten, die sich anhand der verwendeten Materialien belegen lassen.)

Zu jeder Gruppenpräsentation können Nachfragen gestellt und kann eine – unbedingt zeitlich begrenzte – Diskussion geführt werden. Es ist wichtig, dass sich der Informationsstand und das Bild von der pädagogischen Situation in den DDR-Kindereinrichtungen durch die Informationen aus den nachfolgenden Gruppen immer weiter abrunden.


Bewertendes Resumee / Schlussfolgerungen / Aspekte der Abschlusssequenz

  1. Inhalte, Methoden und Ziele der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit resultieren aus dem spezifischen Bild vom Kind. Dieses ist unmittelbar mit den Theorien und der Staatsphilosophie des Sozialismus und des (bevorstehenden) Kommunismus verbunden. Dadurch unterscheidet es sich grundlegend vom Menschenbild in westlichen Demokratien.
    Eine „Erziehung vom Kinde aus“ wurde in der offiziellen staatlich legitimierten pädagogischen Literatur strikt abgelehnt und als schädlich für den Aufbau und die Weiterentwicklung des Sozialismus zurückgewiesen.

  2. Ideen und Programme, Konzepte und Zielsetzungen unterschieden sich von der gelebten sozialistischen Praxis (real existierender Sozialismus). Idealvorstellungen wurden nicht verwirklicht.

  3. Der SED-Staat investierte viel in eine hoch qualifizierte Bildung, Betreuung und Erziehung vom Säuglingsalter an (Ausbildung der Erzieherinnen, Bau und hervorragende Ausstattung von Kindereinrichtungen in Stadt und Land, Gesundheitsfürsorge, umfangreiche medizinische und pädagogische Forschung), weil Kinder und Jugend als tragende Säulen aller Zukunftsentwicklungen gewertet wurden, und um auch Frauen und Mütter nachhaltig für die produktiven Arbeit zu gewinnen.

  4. Der SED-Staat erwartete – sozusagen im Gegenzug für bequeme Lebens- und Arbeitsbedingungen – strikte Unterordnung und kollektive Einordnung von den Eltern und von den Erzieherinnen als Funktionsträgerinnen des Arbeiter- und Bauernstaates. Diverse Kontrollmechanismen verhinderten weitgehend Abweichungen von den staatlich vorgegebenen Erziehungs- und Bildungswegen und -methoden.

  5. Der SED-Staat erwartete unter der Führung der SED als Einheitspartei der Arbeiter- und Bauer von Eltern und Erzieherinnen eine konsequente Ein- und Unterordnung. Ebenso waren diese angehalten, auch die Kinder im Sinne sozialistischer Kollektivität – unter der Führung der Erzieherin – zu Persönlichkeiten zu erziehen, die die geforderte sozialistische Moral leben und immer mehr einen sozialistischen Charakter ausbilden sollten. Disziplin, Arbeitsbereitschaft und Unterordnung charakterisierten das kindliche Lernen in den Beschäftigungen

An dieser Stelle wird besprochen, wie sich das Menschenbild mit dem zugehörigen Bild vom Kind unter sozialistischen Gesellschaftsbedingungen von dem in westlichen Demokratien unterscheidet, warum und mit welchen Konsequenzen für die Erziehung und Bildung von Kindern das so ist. Das Bild des Kindes unterliegt Entwicklungs-Veränderungen, und es ist aufgrund der Vielfalt unterschiedlicher Weltanschauungen ohnehin in den westlichen Demokratien nicht so „einheitlich“, wie in der Ideologie des Sozialismus und Kommunismus.

Am Ende des Projektes können die Diskussionsergebnisse dem Assoziationsplakat aus der Einstiegsrunde gegenüber gestellt werden. Haben sich die Meinungen, haben sich die Eindrücke, Gefühle durch die Arbeit am Thema verändert? Welches sind neue Sichtweisen?