paedal
pädal – pädagogik aktuell e.V.
und Lernwerkstatt Kita-Museum

Mainstraße 11, 14612 Falkensee
Fon (049) 03322 - 4293223, Fax (049) 03322 - 4297704, info@paedal.de
Kita-Museum
 

Das Konzept der Lernwerkstatt Kita-Museum

Die konzeptionelle Weiterentwicklung des Kita-Museums zur Lernwerkstatt hat neue räumlich-gestalterische Gegebenheiten geschaffen. Damit verbinden sich zugleich neue, erweiterte Lernchancen und Bildungsziele:

  • Lernwerkstatt setzt eine gut ausgestattete, anregende Lernumgebung voraus. „Gut ausgestattet“ meint hier eine Vielfalt an anregenden Materialien zu bestimmten, thematischen Arbeitsfeldern: Gegenstände, Bild- und Filmmaterial, Videos, Werk- und Bastelmaterialien, Experimentier-Anordnungen, Literatur, schriftliche Anregungen und Arbeitsblätter, Internetarbeitsplätze uvm.

  • Lernwerkstatt heißt grundsätzlich Erlebnis-/Erfahrungslernen. Eine Lernwerkstatt bietet an und schafft Lernsituationen, Lernanlässe für selbstbestimmtes Lernen von Erwachsenen und Jugendlichen, potentiell auch Erwachsenen mit Kindern. Sie ist grundsätzlich auf tätiges, aktives Erfahrungslernen mit allen Sinnen ausgerichtet. Selbsttätigkeit, das selbst bildende Erarbeiten von Wissen und Fertigkeiten bildet ein grundlegendes Prinzip, das auch das Lernen im Rollenwechsel ermöglicht: die Erzieherin kann sich in der Rolle des Kindes oder der Eltern erleben.

  • Zielgruppen der entsprechend ausgestatteten Lernwerkstatt Kita-Museum sind: Erzieher/innen – Grundschullehrer/innen – Eltern und Familien – Fachschüler/innen – sowie Schüler/innen der höheren Klassenstufen allgemein bildender Schulen und auch Kinder (insbes. im Hortalter).

  • Die Lernwerkstatt ist bemüht um eine Intensivierung der Praxisbezüge durch enge Kooperationen mit Kitas (Konsultationskitas) und anderen Partner/innen in der regionalen Umgebung: z.B. themenorientierte Hospitationsvereinbarungen in Verbindung mit dem Lernwerkstattbesuch.

  • Die derzeitigen und künftigen Referent/innen im Fortbildungsprogramm des Überregionalen Pädagogischen Zentrums Kita-Museum nutzen die Materialien und Arrangements der Lernwerkstatt für die Themenbearbeitung in ihren Seminaren. Wer im Kita-Museum als Referent/in mitarbeiten will, muss sich der Lernwerkstatt-Methodik verpflichten. Unsere Dozent/innen setzen die Idee und die Methodik des entdeckenden, forschenden Lernens im Rahmen der Kita-Bildungsprogramme auch in der Fortbildung Erwachsener um.

Zu den wissenschaftlichen Begründungen des erkundenden, entdeckenden, experimentierenden Lernens

Lernwerkstatt – Idee und Methoden

Der gedankliche, planerische Ausgangspunkt für das Aus- und Fortbildungslernen Erwachsener in Lernwerkstätten ist die Zielvorgabe, Kindern ein ihnen angemessenes Lernen zu ermöglichen. Dieses Ziel ergibt sich aus neueren Forschungsergebnissen zu Fragen des frühkindlichen Lernens. Danach wird das Kind heute als „Akteur seiner eigenen Entwicklung“ (Laewen, Schäfer) gesehen und wertgeschätzt.

Folgende Zitate sind geeignet, die wissenschaftliche Basis, die pädagogischen Motivationen und die klare bildungsstrategische Zielrichtung des Lernwerkstattvorhabens zu markieren.

„Der Mensch kann nicht gebildet werden, er bildet sich selbst.“ (Prof. Gerd Schäfer, Uni Köln)

Im Bundesmodellprojekt „Zum Bildungsauftrag in Kindertageseinrichtungen“ wurde Bildung entsprechend als eigene Leistung des Kindes verstanden. Marion Musiol: „Wenn Bildung Selbstbildung ist, also etwas, was das Subjekt aus eigenem Ermessen heraus tut, kann dies nicht von anderen gemacht oder veranlasst werden.“

Wenn also Bildung Selbstbildung ist, müssen Erwachsene stärker als bisher berücksichtigen und verinnerlichen, „dass das Kind nicht in Form von Belehrung oder Beschäftigung gebildet wird, sondern dass es ‚aus sich heraus’ bestrebt ist, die Welt zu verstehen und Handlungskompetenz erwirbt.“
(M. Musiol, Vortrag in den Franckeschen Stiftungen, Halle)

Gegenüber der Theorie des sich selbst bildenden, des „konstruierenden“ Kindes (Schäfer, Laewen) betont das Verständnis von „Bildung als sozialer Prozess“, als „ko-konstruktiver Prozess“ (Fthenakis) noch stärker die Aktivität und die fördernden Wirkungen des engagierten Erwachsenen im kindlichen Lernprozess. Pamela Oberhuemer (Wiss. Referentin am IFP): „Lernprozesse sind besonders intensiv, wenn sowohl das Kind als auch die Pädagogin (oder ein anderes Kind) engagiert miteinander in Dialog treten“ - und wenn die Lern- und Bildungsprozesse von den Eltern unterstützt werden.

Von Erzieher/innen wird heute gefordert, dass sie in Krippe, Kindergarten und Hort eine anregende Umgebung schaffen, in der sich Kinder aktiv, erkundend und forschend selbst bilden können. Pädagogisch qualifiziert arbeiten bedeutet nicht mehr vorrangig: belehren, steuern, beauftragen, lenken und kontrollieren. Erzieher/innen erhalten stattdessen die neue, ungewohnte, nicht weniger verantwortungsvolle Funktion von Lernbegleiter/innen, Unterstützer/innen, Lernhelfer/innen.

Erzieher/innen, die das Lernen von Kindern entsprechend neu entdecken wollen, sollten auch ihr eigenes Lernen als aktives Lernen neu entdecken und auch die soziale Dimension ko-konstruktiven Lernens erleben. Das Ziel heißt daher: aktiv, erkundend und entdeckend Lernen im Dialog mit Kindern und anderen erwachsenen Menschen in der Welt um uns herum.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist das Probehandeln Erwachsener, sozusagen die Simulation von kindlichen Lernsituationen ein fragliches Instrumentarium. In Rollenspielen, d.h. in der Simulation kindlichen Verhaltens wird Kindern in der Regel nur wenig zugetraut, und es werden ihnen Verhaltensweisen unterstellt, die wohl eher mit dem Kind in uns selbst zu tun haben, als mit den wirklichen Kindern, denen wir in offenen Lernsituationen begegnen.

Auf dem Hintergrund der Zielvorgabe, Kindern ein aktives, entdeckendes Lernen zu ermöglichen, wurden in den 60er Jahren in Amerika zahlreiche Versuche durchgeführt, Reformen des Schulunterrichts und später auch der vorschulischen Erziehung nicht nur über andere Inhalte sondern auch durch andere Lernformen voranzutreiben. Diesem Ziel passte man auch die Formen und Methoden des Pädagogik-Lernen Erziehungsverantwortlicher an.

In Deutschland bildete wohl die Studenten-Lernwerkstatt an der TU Berlin den Ausgangspunkt einer lebhaften pädagogisch orientierten Lernwerkstattbewegung. Den Wert und die Bedeutung des Ansatzes, aktives, entdeckendes Lernen nicht nur über Literatur und akademische Diskussion zu vermitteln, beschreibt die UNESCO-Kommission 1985:

"Etwas erzählt zu bekommen, ist kein Ersatz für die eigene Erfahrung", schreibt die UNESCO-Kommission für naturwissenschaftliche Grunderziehung in ihrer Stellungnahme zur Lehreraus- und -fortbildung. "Wenn jemand nicht selbst erfahren hat, wie man fragend und untersuchend miteinander lernt, ist der Begriff [des aktiven, forschenden Lernens] für ihn zu abstrakt und er kann ihn nicht einfach dadurch verstehen, dass ihm davon erzählt wird." (S. 9) Diese Feststellung gilt uneingeschränkt auch für die wissenschaftlich begründeten Erwartungen an qualifizierte Bildungsbegleitung durch Erzieher/innen in der Kindertagesbetreuung.

Das Angebot entdeckenden Lernens in der Lernwerkstatt bedeutet nicht die Hinwendung erwachsener Menschen zu kindlichen Lernformen, die ihnen gar nicht mehr adäquat sind. Die Lernwerkstattmethodik legt vielmehr ein im Prinzip gleiches Verständnis des Lernens von Erwachsenen und Kindern zugrunde: das aktive und forschende Lernen, das von persönlich bedeutsamen Fragen ausgeht und es ermöglicht, mit dem bereits vorhandenen Wissen kritisch und konstruktiv umzugehen.

Wie zu beobachten und festzustellen ist, tun sich Erwachsene genau damit nicht leicht, sondern erleben es als eine Herausforderung, der sie sich kaum zu stellen wagen. Erwachsene haben mit der experimentierenden Lernweise größere Schwierigkeiten als Kinder.

Sie sind durch die Möglichkeit, ihr Lernen selbst bestimmen zu können, häufig verwirrt, glauben, keine eigenen Ideen zu haben, erklären sich für 'praktisch', 'technisch', 'kreativ' oder sonst wie unbegabt, und brauchen Zeit und Unterstützung, um sich auf das neue Terrain zu wagen.

Aus der Lernwerkstattarbeit wissen wir auch: Das Erlebnis der Möglichkeiten und Chancen der vorbereiteten Lernumgebung überzeugen auch Zweifler/innen. Erwachsene Menschen finden in der Lernwerkstatt Antworten auf Fragen, die sie explizit gar nicht gestellt haben, entdecken Interessen und Potenziale an sich, derer sie sich nicht bewusst waren, gewinnen Lust am Forschen und Entdecken und erleben den Sinn des Lernens im sozialen Zusammenhang darin, mit anderen zu suchen und mit ihnen über „Forschungsthemen“ ins Gespräch zu kommen.

Daneben geht es beim Lernwerkstattaufenthalt im Kita-Museum vor allem um die positiven Lernerlebnisse, das lustvolle Erkunden, die kleinen Erfolgs- und Stolzerlebnisse, die bei den Besucher/innen eine optimistische, geduldige, weniger perfektionistische Haltung zu Lern- und Bildungsprozessen hervorrufen. Kindliche (Selbst-)Bildungsprozesse in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung gewinnen an Qualität und Nachhaltigkeit, wenn sie aktiv von Erzieher/innen begleitet werden, die erkundendes, forschendes, experimentierendes Lernen selbst erlebt haben und wertschätzen. Sie werden mit Überzeugung und pädagogischer Fachkenntnis auch den Kindern angemessenen Räume, ausreichend Zeit und nicht zuletzt tragende Gelegenheiten zum forschenden Dialog mit Erwachsenen und Gleichaltrigen verschaffen.
 
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